Sommerurlaub 2009 Schweden - Norwegen

Värmland

Schon früh am Morgen hatte ich einen unruhigen Schlaf, weil ich fror. Im laufe der frühen Morgenstunden kramte ich nach und nach eine Wolldecke aus dem Schrank und zog mit Socken und Jogginghose an. Gegen 7 Uhr schaute ich auf das Außenthermometer und sah das Elend: 2 Grad, zum Glück im Plus. Gegen 9 Uhr stand ich auf. Aber leicht viel es mir nicht, mich in der Kälte im See zu waschen. Nach dem Frühstück fuhr ich weiter westwärts zum 15 km entferntem Ekshärad.

Übernachtungsplatz am Musåudden bei Knoände. Und weil das Wasser wärmer ist als die Luft, bildeten sich Nebelschwaden über dem See.

Ekshärad

Etwas 60 km nördlich von Karlstad liegt der Ort Ekshärad. Traditionell werden die hiesigen Bewohner auch "Värmlands Indianer" genannt. In der Lodenstampmühle "Hamra Vadmalsstamp" wird in jedem Juli das Leben des 18 Jh, nachgestellt. Am südlichen Ortsrand wurde eine Stabkirche nachgebaut, daneben stehen aber auch alte Gebäude.

Am Ortsrand wurde eine alte Stabkirche nachgebaut,...

...deren Inneres Schlicht gehalten ist.

Auf dem Friedhof im Ort neben der holzverkleideten Kirche (17.Jh.) sind über dreihundert Gräber...

...mit schmiedeeisernen Lebensbäumen bestückt, deren Blätter im Wind schwingen.

Das innere der alten Kirche ist zwar sehr schlicht, hat aber auch seine sehenswerten Attribute. 

Der Sage nach fand ein Bogenschütze den völlig überwucherten Ort, nach dem dreißigjährigem Krieg wieder, weil er den Hahn auf dem Kirchturm irrtümlich für Echt hielt und mit seinen Bogen beschoss.

Heute wurde dem hungernden Bogenschützen...

...ein Denkmal gesetzt.

Die 10 m hohe Holzpfeilerskulptur von Lasse Kuparinen. Sie soll an einem Totempfahl und die hier siedelnden Waldfinnen erinnern.

Gegenüber der Kirche befindet sich das Hembygdsgarden.

Die Gegend scheint auch sehr interessant für Angler zu sein. Jedenfalls gibt es mehrere Angelshops, mir diversen Ausleihmöglichkeiten.

Filipstad

Am Nachmittag machte ich mich auf Richtung Süden, nach Filipstad. Hier treffen sich die Strassen RV 63, 64 und 246. Zum einen dachte ich hier die Eltern eines Bekannten zu besuchen, von denen mein Bekannter behauptet hatte, dass sie hier ein Haus gekauft hatten um ihr Rentendasein zu verbringen. Vielleicht hatte ich ihn auch falsch verstanden, denn im Telefonbuch waren sie nicht zu finden. Filipstad war früher eine Bergbaustadt, die das gleiche Schicksal ereilte, wie viele Orte in dieser Gegend. Die Gruben wurden stillgelegt. Heute Ist der Knäckebrothersteller "Wasa" der größte Arbeitgeber. Gleich nebenan ist der Knabberhersteller OLW zu finden (Meine Lieblingschips sind Saure Sahne/Dill - Gräddfil og Dill). 

Das Mausoleun des Industriellen Eriksson.

Beide Unternehmen betreiben hier einen Fabrikverkauf. Es war Samstag und beide Läden waren geschlossen. So beschloss ich zum Friedhof zu fahren und das Mausoleum des Erfinders John Ericsson suchen und zu finden. Die Türen waren geöffnet, so dass der Tote einen "freien Blick" auf den See Daglösen hat.

Hult (Vänern)

Ich fuhr die RV 64 weiter nach Süden, um gleich hinter Kristinehamn in Hult am Vänern zu übernachten. 15 km südlich von Filipstad durchfährt man dabei den Ort Bjurbäcken am Östersjön. Hier stehen seit 1602 einige alte Gebäude, das Hüttengebiet Bjurbäcken. Die alte Schmiede ist in den Sommermonaten in Betrieb und kann besichtigt werden. Außerdem ist hier eine Schleuse des Bergslagskanalen.

Die Schmiede von Bjurbäcken.

Die alte Mühle mit Mühlenstallung an der Steinbrücke mit dem geschmiedeten Geländer.

Am Abend kam ich in Hult an und musste feststellen, dass der örtliche Campingplatzverein sein Areal vergrößert hat und nun auch die besten Plätze am westlichen Parkplatz besetzt. Vorbei sind nun die Zeiten direkt vom Womo den Sonnenuntergang am Vänern zu genießen. Es bleibt nur noch der Stellplatz mit Blick nach Norden, zum Badeplatz. Es regnete, so dass ich den Sonnuntergang nicht missen sollte. In der letzten Nacht wurde ich noch wach, weil ich fror. In dieser Nacht wurde ich um 3 Uhr von einem leichtem Sturm geweckt, der den Wagen zum wackelten und warme Luft brachte. Gegen vier wurde mir klar, dass meine vorsorglichen Antikälte Maßnahmen nicht angemessen waren - Mir war warm und ich  schwitzte. Also weg mit Socken, Jogginghose und zusätzlicher Wolldecke. Die zweite unruhige Nacht hintereinander. Am Morgen war es zwar windig, aber Wolkenlos. Ich machte nach dem Frühstück einen Spaziergang am Ufer.

Schöner Strand, aber das Wasser im Vänern ist "Saukalt"

Ist der Badeplatz noch durch eine Mauer geschützt,...

...so herrscht am übrigen Ufer eine ganz ordentliche Brandung.... 

...die aber zum Ruhen und Beobachten einlud. 

Auch die Fauna spricht die Sinne an!

Seit dem letzten Besuch wurde das Plumpsklo und der Grillplatz neu gestaltet.

Kristinehamn

Am Mittag machte ich mich dann auf den Weg nach Färgelanda zu Inge und Bernd, was ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wusste. Denn eigentlich wollte ich nur weiter westwärts fahren und irgendwo im südlichen Värmland oder nördlichen Dalsland an einem See Übernachten. Aber weil der Sturm nicht nachließ und auf den Strassen neben vielen kleinen Ästen auch gelegentlich größere Äste lagen, war ich mir unsicher, ob ich an einer einsamen Stelle an einem See übernachten sollte, oder lieber gleich weiter bis Färgelanda zu Inge und Bernd fahren sollte. Ich entschloss mich für die zweite und sichere Variante und legte an diesem Nachmittag nochmals 200 km zurück.
Aber natürlich verließ ich Kristinehamn auch dieses mal nicht, ohne vorher wieder zur Plastik von Picasso zu fahren (Im Ort ausgeschildert). 

Der Weg zur Skulptur führt 2 km entlang am Vänern mit dem Freizeithafen. Hier kollidiert das Rettungsboot beinahe mit einem Segelboot, dessen Besatzung Wendemanöver versucht.

Der schwedische Künstler Bengt Olson konnte Picasso zu diesem Projekt überreden.

Alster

Kurz vor Karlstad verließ ich die E 18 bei Alster und fuhr zum Herrenhof Alster. Das Gut mit seiner 800 jährigen Geschichte ist Geburtsort des Dichters Gustaf Fröding. Er gilt als der wichtigste Lyriker Schwedens.

Der Herrenhof Alster ist Geburtsort des Dichters Gustav Fröding,...

...dessen Büste vorm Haus aufgestellt wurde.

Wie überall in Schweden, werden auch an diesem Geschichtsträchtigen Ort die Kinder nicht vergessen.

Färgelanda

Wie gesagt, sollte auch die nächste Nacht stürmisch werden und so rief ich bei Inge und Bernd an, um zu fragen, ob ich schon an diesen Abend dort aufschlagen durfte. Netterweise hatten sie keine Einwände und empfingen mich mit einem BBQ. So konnte ich diese und die nächsten zwei Nächte sicher campen.
Tagsüber fuhr ich die mir bekannten Ziele in der Umgebung an. Morgens und Abends verwöhnte mich Inge mit ihren selbst gekochten Leckereien.

Spaziergang mit Aki, der mittlerweile über 50 kg wiegen soll. Was für ein Brocken. Da musste ich die Leine fest im Griff behalten.

Bei Inge und Bernd recherchierte ich auch im Internet, mit welcher Fähre ich wieder nach Deutschland fahre würde. Von Scandlines und ihren versteckten Preissteigerungen hatte ich, wie Berichtet, die Nase voll.  Varberg-Grenaa (Stena Line) oder Trelleborg-Travemünde. Preislich tut sich nix, so entschied ich mich für die TT-Line von Trelleborg. 115 € für 7 Std. Überfahrt in die Nähe von Lübeck. So konnte ich mir auch noch einen weiteren Wunsch erfüllen: Das Wikingerdorf Foteviken nördlich von Skanör, südlich von Malmö. 

Nördlich von Malmö verließ ich die E 6 Richtung Centrum. Über die Stockholmsvägen, Nobelvägen und Trelleborgsvägen ging es an der Innenstadt mit dem neuen Wahrzeichen, dem "Turning Torso" vorbei.

Malmö

Das Wahrzeichen der Stadt, der Turning Torso.

Foteviken

Das Museumsdorf Foteviken bei Höllviken ist im Sommer für zwei Monate bewohnt. So lass ich es in in der Werbung und in den verschiedenen Reiseführern und Magazinen. Ich kam hier ende August an, was in Skandinavien gleichbedeutend mit Nachsaison ist. Das Museum war zwar noch offen, wurde aber nur noch von drei "Schauspielern" bewohnt. Der Besuch lohnte dennoch, war die Inneneinrichtung immer noch vorzufinden, als ob die Bewohner gerade zum Jagen oder Fischen sind. Ich war ja schon in einigen Wikingermuseen in Dänemark, aber dieses ist Dank seiner reich ausgestatteten Häuser mein Favorit: Ich kann ein Besuch nur empfehlen.

Skanör

Fährt man von Höllviken die RV 100 weiter nach Südwesten, gelangt man nach Skanör. Hier gibt es einen riesigen Sandstrand an der Ostsee und einen kleinen Hafen. Die Toilette am Parkplatz hinter den Dünen ist ein Dreckloch, so dass ich wieder einmal mein eigenes Campingklo benutzen musste. Aber die 25 Grad und der fantastische Sonnenuntergang entschädigte nicht nur dafür, sondern ließen mich an meinem Entschluss zweifeln, das Land schon nach dreieinhalb Wochen zu verlassen. Wie auch in Norddeutschland, war hier im Süden Schwedens der wohl heißeste August seit langem. Warum ich Zweifelte, erklären die folgenden Bilder.

Trelleborg

Am Nächsten Morgen musste ich mich bis 9 Uhr im Hafen von Trelleborg einfinden. Die Fähre legte um 10 Uhr ab. Für mich hieß das, Früh aufstehen, denn ich wollte in Trelleborg noch einmal Tanken, denn seit der letzten Mehrwertsteuererhöhung ist Diesel in Schweden häufig billiger als in Deutschland. Außerdem wollte ich noch meinen Kühlschrank und Kofferraum mit Fressalien füllen. Beim großen ICA Markt kaufte ich alles, was Freunde bei mir bestellt hatten und was ich immer aus Schweden importiere.

Einschiffen auf die "Nils Holgersson" der TT Line.

Die "Robin Hood" der TT-Line aus Rostock läuft ein.

Während der Überfahrt hielt ich mich anfangs auf dem Sonnendeck auf, wo es mir aber nach dem verlassen des Hafens schnell zu Kalt wurde. Anschließend nutzte ich für 3 Stunden den Saunabereich. Länger hält man es hier aber auch nicht aus, so dass ich wieder an Deck ging. Rechtzeitig um von weitem die Kreidefelsen der dänischen Insel Møn zu bestaunen. Oft habe ich in der Vergangenheit die Insel, auf den Weg nach Norden, überfahren. Oft habe ich mir Vorgenommen die E 47 zu verlassen um sie mir anzusehen, aber immer war der Wille nach Dalsland durchzufahren stärker. Und auf dem Rückweg war der Gedanke, die Heimat noch am selben Abend zu erreichen stärker. Zukünftig werde ich die Vogelfluglinie wohl nicht mehr nutzen, wie ich anfangs schon geschrieben habe. So genoss ich diesen Fernblick umso Intensiver.

Die Kreidefelsen Møns Klind der dänischen Insel Møn.

Ein deutsches U-Boot kreuzt unseren Weg.

Einlauf in die Lübecker Bucht.

Priwall an der Travemündung.

Die Passat im Hafen von Travemünde.

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